Posted On 28. August 2015 By In Bevölkerungsschutz, Social Media, Technologie With 2061 Views

Tipps zum Umgang mit Social Media im Bevölkerungsschutz

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(Stand August 2015)

Der Vorstand von DGSMTech e.V. (www.dgsmtech.de) hat einmal versucht, Tipps für den Umgang mit Social Media im Bevölkerungsschutz zu sammeln und aufzuschreiben.
Hier ist das Ergebnis:

Social Media photo

Der Einfluss der Social Media auf die Gefahrenabwehr der Bevölkerungsschutzbehörden steigt derzeit von Schadenslage zu Schadenslage. Viele Kongresse, Seminare und Vorträge beschreiben dieses Phänomen, das Für und das Wieder, die Probleme. Aber in den Diskussionen wie in den Feedbackbögen wird immer wieder bemängelt, dass es keine Checklisten, Handlungstips oder ähnliches gibt.

 

Wir, die Autoren von DGSMTech, möchten im Folgenden einige Empfehlungen aussprechen. Dabei weisen wir gleich daraufhin, dass keiner von uns eigene Einsatzerfahrungen mit Social Media in Deutschland besitzt. Wir beschäftigen uns mit diesem Thema in Forschung und Lehre und geben hier die Erfahrungen wider, die wir auf vielen Veranstaltungen von anderen gehört haben. Darüber hinaus werten wir aktuelle Ereignisse aus der Welt der Social Media aus, um diese in der Lehre nutzen zu können.

 

Und eins noch vorab: Es gibt keine Checkliste, keine Standardeinsatzempfehlung und keinen Ratschlag, die zu Ihrem Problem 100%ig passen. Bleiben Sie flexibel und verstoßen Sie ggf. gegen die folgenden Hinweise.

 

Teilen Sie uns bitte Ihre Meinung und besonders Ihre Einsatzerfahrungen mit. Wir werden Sie sammeln und hier kostenlos allen zur Verfügung stellen. Denn Fehler macht jeder, aber nicht daraus zu lernen, ist das eigentliche Problem.

Katastrophen photo

Vor dem Einsatz

  1. Welche Gruppen existieren innerhalb Ihres Zuständigkeitsbereiches, die Social Media nutzen (z. B. Sportverein, religiöse Gemeinschaften, Parteien, Zeitungen…)?
    1. Welche Social Media nutzen diese Gruppen?
    2. Welche Gruppen würden wohl Ihre Informationen weiterleiten und welche zusätzlichen Gruppen könnten dadurch erreicht werden?
    3. Welche Gruppen stehen eher kritisch Ihnen gegenüber und verbreiten eventuell sogar Informationen, die Ihren widersprechen?
    4. Nehmen Sie Kontakt zu diesen Gruppen auf! Via
      1. deren Social Media Angeboten (Kommentieren Sie Beiträge,)
      2. persönlicher Kontakte
  1. Welche Gruppen bestehen außerhalb Ihres Zuständigkeitsbereiches, die Social Media nutzen und ggf. über ein Schadensereignis bei Ihnen berichten? (Hilfsorganisationen, Interessenverbände,) [1.1 bis 1.4 entsprechend anwenden]
  2. Errichten Sie eigene Social-Media-Seiten. Nutzen Sie dabei diejenigen Plattformen, die die Menschen in Ihrem Zuständigkeitsbereich vermehrt nutzen (Twitter, Facebook, Pinterest, Instagram,).
  3. Soziale Netzwerke sind kein Selbstzweck. Wenn Sie das Gefühl haben, eine Plattform bringe Ihnen für Ihre Arbeit keinen Mehrwert, müssen Sie diese nicht zwangsläufig nutzen. Konzentrieren Sie sich lieber auf ein oder zwei Kanäle und nutzen Sie diese gewinnbringend, als alle halbherzig zu bespielen und sich dabei zu verzetteln.
  4. Verknüpfen Sei ruhig die unterschiedlichen Social Media miteinander. So können Sie mit einer Eingabe einen größeren Personenkreis erreichen und wertvolle Zeit sparen. Dieses können sie mit kostenlosen Angeboten wie Tweetdeck oder Hootsuite bewerkstelligen.
  5. Veröffentlichen Sie regelmäßig Informationen auf Ihren Seiten, die die Menschen interessieren (Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler).
    1. Geplante Verkehrssperrungen
    2. Veranstaltungen der Feuerwehr, Hilfsorganisationen etc.
    3. Für den Notfall vorbereitet – Tipps zur Vorbereitung und zum richtigen Verhalten in Notfällen.
    4. Es muss nicht immer schwere Kost sein – eine lustige, nette oder skurrile Geschichte zwischendurch kommt gut an und wird gerne geteilt – auch das kann den Auftritt bekannter machen. Aber beachten Sie, dass Ihre Seiten seriös bleiben.
    5. Wie arbeitet eine Bevölkerungsschutzbehörde im Einsatzfall? Die Menschen sollen ein Gefühl dafür entwicklen, was in einem Einsatzfall in Ihrer Behörde passiert
      1. Was kann sie?
        1. Was kann sie schnell umsetzen?
        2. Wozu benötigen Sie Zeit?
      1. Wo sind Grenzen?
      2. Was geht nicht!
  1. Nutzen Sie die klassischen Medien (vor allem Lokalzeitungen), um über Ihre Social Media Aktivitäten zu berichten
  2. Denken Sie an eine personelle Unterlegung, wenn Sie in den Social Media aktiv werden wollen und stimmen Sie vor dem Ernstfall die Prokura Ihrer Mitarbeitern ab. Bilden Sie einen Pool von Mitarbeitern in den benötigten Fähigkeiten fort. Wichtig ist, die „richtige Sprache” zu sprechen; Beiträge, die sich an eine bestimmte Zielgruppe richten (z.B. Jugendliche) können von diesen geprüft werden.  
  3. Macht es in Ihrer Stadt/Region Sinn, bestimmte Meldungen in anderen Sprachen herauszugeben (Migranten, Touristen, Expats,…)? Dann sollten Sie auch für diesen Bereich planen und (idealerweise) Muttersprachler mit dieser Aufgabe betrauen.
  4. In vielen Städten und Regionen gibt es mittlerweile regionale Blogs, Nachrichtenportale oder Foren. Machen Sie sich für Ihre Region damit vertraut. Ggf. können diese Seiten als Multiplikatoren für Ihre Informationen dienen.
  5. Gibt es Kompetenzen, die Sie nutzen könnten? (andere Blogger, Funkamateure, Geocacher, Fotoprofis, Drohnenflieger, etc.)

Hochwassereinsatz photo

Während des Einsatzes

  1. Überwachen Sie alle Kanäle nach Notrufen! Insbesondere wenn die Notrufleitungen überlastet sind, kann es sein, dass Anliegen über die sozialen Netzwerke gesendet werden.
  2. Veröffentlichen Sie so früh wie möglich spezielle Hashtags (#) zu Ihrem Einsatzfall. Schauen Sie jedoch zunächst, ob es bereits einen oder mehrere Hashtags gibt, unter denen andere Nutzer ihre Informationen teilen. Sie sollten in diesem Fall keine eigenen Hashtags etablieren, sondern die bereits bestehenden nutzen. Auf diese Weise können Ihre Informationen ein größtmögliches Publikum erreichen. Ein eigener Hashtag kann jedoch Sinn machen, um z.B Hilfsangebote und -gesuche zu koordinieren. Stimmen Sie sich dazu ggf. mit anderen Behörden und Organisationen ab.
  3. Veröffentlichen Sie regelmäßig,
    1. dass Sie zwar die Social Media überwachen, auswerten und auch alle Anfrage/Kommentare beantworten werden, aber dass Sie dafür viel Zeit benötigen. Dringende Hilferufe sollten deshalb über den Notruf 112 und 110 abgegeben werden.
    2. die Bitte, dass jemand, der eine dringende Nachricht liest, auf die Sie noch nicht reagiert haben, diese retweetet / repostet (umso häufiger eine Nachricht erscheint, desto eher wird sie von Ihnen erkannt.)
    3. Ihre Hashtags
  1. Veröffentlichen Sie bei Bedarf Warn- und Verhaltenshinweise sowie Tipps und wiederholen Sie diese regelmäßig.
  2. Gibt es besonders aktive und interessante Nutzer (z.B. vertrauenswürdige Augenzeugen, Journalisten vor Ort…)? Diese könnten Ihnen bei direktem Kontakt bei der Lageeinschätzung helfen und auch als Multiplikatoren für Ihre Informationen dienen.
  3. Veröffentlichen Sie regelmäßig, wie Menschen Ihre Maßnahmen unterstützen können (Stichwort: Spontanhelfer).
  1. Denken Sie auch an eine Ablösung Ihres Social Media Teams

Social Media photo

Nach dem Einsatz

  1. Rufen Sie die Bevölkerung auf, über ihre Erfahrungen auf Ihren Social-Media-Seiten zu berichten.
    1. Was lief gut?
    2. Wo hakt es?
    3. Was empfehlen die Betroffenen?
  1. Analysieren Sie alle Kanäle bezüglich Ihres Einsatzes.
  2. Berichten Sie regelmäßig über Ihre Erkenntnisse und “lessons learnt”.
  3. Sagen Sie ausdrücklich, wenn Defizite bestehen (langsames Internet, kein Zugang zu Facebook etc.)
Andreas Karsten

Andreas Karsten

Andreas H. Karsten
Ministry of Interior UAE, United Arab Emirates, Strategic Advisor Department of Public Safety and Quick Intervention
Civil Expert for NATO Civil Protection Group

Geboren 1962 in Braunschweig. Ich arbeite, unterrichte und forsche seit einigen Jahren in den Bereichen Disaster Response, Entscheidungsfindung, Stabslehre und Spezielle Einsätze im Bereich des Bevölkerungsschutzes.
Seit meinem 16. Lebensjahr bin ich Mitglied der FF Braunschweig/Rautheim und seit 2004 im THW Bochum.
Nach meinem Studium der theoretischen Kernphysik an der Technischen Universität Carolina Wilhelmina zu Braunschweig absolvierte ich mein Referendariat zum höheren feuerwehrtechnischen Dienst bei der Berliner Feuerwehr. Danach arbeitete ich als Direktionsdienstbeamter bei den Berufsfeuerwehren Stuttgart und Bochum bevor ich 2006 als Lehrbereichsleiter zum BBK an die AKNZ wechselte.
Seit Mai 2014 arbeite ich für das Innenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate.
Andreas Karsten
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