Posted On 12. Oktober 2014 By In Katastrophenhilfe With 2081 Views

Studierende im Ebola Onlinekatastrophenhilfe-Einsatz

follow and like us:
0

Studierende der Bergischen Universität Wuppertal und interessierte Gäste waren am vergangenen Donnertag (dem 09.10.2014) in einem internationalen Onlinekatastrophenhilfe-Einsatz mit der Standby Taskforce.  Nach einer kurzen Vorlaufzeit trafen sich Studierende, Mitarbeiter und Gäste der Bergischen Universität Wuppertal um Hilfe bei der Ebola-Krise zu leisten.

 

Weltweit größte zusammensitzende Gruppe in Wuppertal

Onlinekatastrophenhilfe an der Bergischen Univeristät Wuppertal

Internationale Hilfeleistung an der Bergischen Univeristät Wuppertal währen der Ebolakrise

In Wuppertal trafen sich in einem Hörsaal teilweise über 25 Interessierte um virtuell Hilfe zuleisten. Neben Studierenden und Mitarbeitern aus dem Bereich der Sicherheitstechnik waren auch Studierende anderer Fachrichtungen, Feuerwehrbeamte (u.a. der Leiter einer Berufsfeuerwehr) und Helfer der Gruppe „Essen packt an“ im Hörsaal zusammen gekommen. Hierbei war die Gruppe aus dem Hörsaal 24 der Bergischen Universität die weltweit größte zusammensitzende Gruppe und bearbeitete eine Datensammlung zur Verbesserung der Hilfeleistungsmöglichkeit in Teilen Afrikas und insbesondere Nigeria. Hierzu erfolgte zunächst eine kurze Einführung mittels einer Skypekonferenz durch die Standby Taskforce. Daraufhin wurde eine gemeinsames Dokument mit einigen hundert Datensätzen bearbeitet. Auch am Ende der Veranstaltung ist der Wille zur weiteren Onlinekatastrophenhilfe  ungebrochen. Auf Initative der Studierenden soll kurzfristig ein weiterer Termin stattfinden.

Hilfsbedarf in Nigeria

Aufgrund der aktuellen Ebola-Krise ist der Zustand des Gesundheitssystem in Nigeria sehr instabil. Der Status der Gesundheitseinrichtungen, wie Krankenhäusern, in großen Bereichen des Landes ist unklar. Es gilt Informationen zu sammeln, aufzubereiten und verifizieren. Aufgrund einer Anfrage durch Hilfsorganisationen begann die Datensammlung der Standby Taskforce. Diese Informationen erhielten die Studierenden per Skype-Konferenz von Per Aarvik, einem Mitglied des Kernteams der Standby Taskforce. Nach einer kurzen Einweisung gegen 13.30 Uhr wurden bis ca. 19 Uhr von zeitweise mehr als 25 Freiwilligen Daten zu Krankenhäusern, deren Position und deren Ortsdaten gesucht und ergänzt. Hierbei wurde zeitgleich mit Helfern aus aller Welt an einer Tabelle gearbeitet. Die Daten dieser Tabelle wurden teilweise bereits seit zwei Wochen gesammelt und mussten nun spezifiziert werden. Hierbei wurde grundsätzlich nur mit frei verfügbaren Daten und Informationen aus dem Internet gearbeitet. Das Ergebnis dieser Arbeit wird eine Auflistung, sowie eine Karte mit Informationen von Gesundheitseinrichtungen sein, welche von den Internationalen Hilfskräften wie Ärzte ohne Grenzen, das Britische Rote Kreuz, der Weltgesundheitsorganisation und dem Koordinationsstelle für Internationale Hilfeleistung der der United Nations (UN OCHA) verwendet wird.

Virtuelle Freiwillige und die Standby Taskforce

Die Standby Taskforce ist eine internationale Spontanfreiwilligen Organisation, welche digitale Hilfe bei Humanitären oder Katastropheneinsätzen leistet. Hierbei übernimmt Sie nach Aktivierung durch einen „autorisierten Partner“, wie die United Nations oder internationale Hilfsorganisationen, Aufgaben der digitalen Informationssammlung und Auswertung. Dabei werden primär Aufgaben des Crowdsourcing im Katastrophenfall übernommen. Dies kann das Sammeln, örtlich zuordnen und Bereitstellen von Bildern aus Social Media, wie beim Hochwasser am Balkan (2014) sein. Auch die Sammlung und Darstellung von Standorten von Flüchtlingslagern sind bereits erfolgt.

Die Standby Taskforce ist Teil des Digital Humintarian Networks (DHN) und koordiniert häufig dessen Einsätze. Das DHN ist der Zusammenschluss der internationalen Onlinekatastrophenhilfe und ihm gehören sowohl Firmen wie Microsoft & Google an, wie auch internationale NGOs wie den Übersetzern ohne Grenzen (Translators without borders), Nethope oder auch den Crisis Mappern. Also einer sehr schlagkräftigen Organisation von freiwilligen Helfern aus der gesamten Welt, welche bereits bei vielen Katastrophen im digialen Einsatz waren.

 

Crowdsourcing im Katastrophenfall

Diese Onlinekatastrophenhilfe wird häufig durch Crowdsourcing und Microtaskingaufgaben erbracht. Es werden also Aufgaben und Tätigkeiten übernommen, welchen einen Mehrwert für die lokal agierenden Hilfekräfte haben, von diesen aber aus Kapazitätsgründen nicht übernommen werden. Ein sehr prominenter Einsatz von Crowdsourcing ist die Suche noch dem Wrack des Malysian Airways Flug MH 370. Hier wurde innerhalb weniger Tage ein Gebiet von 24.000 Quadratkilometern abgesucht. Ein Meilenstein in der Geschichte der Onlinekatastrophenhilfe war die Erstellung von hoch genauen digitalen Karten von Port-au-Prince  nach dem Tsunami 2010. Hierbei wurden jedoch noch Spezialkenntnisse im Umgang mit Geoinformationssystemen benötigt. Ein nächster Evolutionsschritt in der Entwicklung der Onlinekatastrophenhilfe könnte nun die Einbindung aller Spontanfreiwilligen sein.

Stefan Martini
Follow me

Stefan Martini

Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Uni Wuppertal
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektischerheit der Bergischen Universität Wuppertal.
Studium der Sicheheitstechnik und Emergency Health Service Management, sowie Ausbildung zum (Lehr-)Rettungsassisent mit langjähriger Einsatzerfahrung im Rettungsdienst.
Stefan Martini
Follow me
follow and like us:
0

Tags : , ,

3 Responses

  1. Andreas Karsten

    Vorab: Vielen Dank allen Helferinnen und Helfern in Wuppertal und weltweit! Klasse, dass Menschen Ihre Freizeit für andere opfern! Besonders freut es mich, dass der Amtsleiter der BF Wuppertal – ein alter Hase – auch dabei ist. Ich kann nur alle Verantwortliche im deutschen Bevölkerungsschutz auffordern, sich von der Qualität der Arbeit persönlich zu überzeugen. Wir Alten müssen unsere Skepsis gegenüber den Spontanhelfern (digitale oder vor Ort Helfende) überwinden. Hoffentlich nutzen die deutschen Einsatzleiter zukünftig auch dieses mächtige Instrument! Es freut mich auch, dass sich die alte Idee der dezentralen Stäbe (siehe den Artikel „Jahrhunderthochwasser 2028 – ein Gedankenexperiment“ in Brandschutz : Deutsche Feuerwehr-Zeitung. – (2008), 1 , S. 42 – 45) für den Bereich S2 beginnt durchzusetzen. M. E. wird das Ende der Mobilen Führungsunterstützungseinheiten eingeläutet. Es ändert sich derzeit sehr vieles im Bevölkerungsschutz („Demokratisierung der Gefahrenabwehr“) – es ist wirklich eine spannende Zeit.

Schreibe einen Kommentar

LinkedIn Auto Publish Powered By : XYZScripts.com

Enjoy this blog? Please spread the word :)

RSS35
Facebook0
Facebook
Twitter20
LinkedIn
Google+
http://jemps.de/studierende-im-ebola-onlinekatastrophenhilfe-einsatz/
Follow by Email