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Posted On 12. März 2015 By In Bevölkerungsschutz, Notfallmanagement With 2317 Views

Qualität im Rettungsdienst

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Qualität im Rettungsdienst bedeutet letztlich, dass das Beste zum Wohl des Patienten mit möglichst den geringsten gesamtgesellschaftlichen Kosten getan wird. Dazu wird im ersten Schritt eine grundsätzliche Betrachtung des Systems durchgeführt.

Teil 1: Systembetrachtungen

Der Rettungsdienst als Teil der Daseinsfürsorge unterliegt einer regelmäßigen Qualitätskontrolle. Die Werkzeuge hierzu sind zum einen eine regelmäßige Bedarfsplanung, welche mitunter Aufgaben erfüllt, die über die Qualitätskontrolle hinausgehen, aber zum anderen auch explizite Qualitätskontrollen in Form von Qualitätssicherungsberichten deren Form von einfachen Tabellen bis zu ganzen Dokumenten reicht. Um den mehr oder weniger unbestimmten Begriff „Qualität“ im Zusammenhang mit dem Rettungsdienst zu verstehen und darauf aufbauend mögliche Verbesserungen der Qualitätsüberwachung abzuleiten ist es notwendig, die unterschiedlichen Akteure in diesem System, sowie deren Ansprüche zu analysieren.

In dieser Reihe werden mehrere Artikel erscheinen, welche sich mit den unterschiedlichen Aspekten der Qualität des Rettungsdienstes beschäftigen, auf Details eingehen und abschließend einzelne Aspekte zu einem Qualitätssystem zusammenfassen.

Bevor wir uns dem Begriff der Qualität des Rettungsdienstes nähern ist es zuerst wichtig, den Rettungsdienst in seinem Umfeld zu betrachten. Der Rettungsdienst ist kein Selbstzweck, sondern erfüllt eine wichtige Aufgabe in der Rettungskette. Es ist daher wichtig zu verstehen, dass der Rettungsdienst kein in sich geschlossenes System ist, sondern Schnittstellen besitzt, die durch die Rettungskette definiert werden. So zum Beispiel die Vorarbeit durch die Abfrage des Meldebildes, durch Erste-Hilfe Maßnahmen oder bei der Übergabe im Krankenhaus. Er ist folglich ein Teilsystem im übergeordneten Gesamtsystem der Patientenversorgung. Dem Teilsystem Rettungsdienst vorgeschaltet sind der Notruf, die Erste Hilfe und die Notrufabfrage. Dem Rettungsdienst nachgelagert sind die Notaufnahme und die Anschlussbehandlung des Patienten. Alle Teilsysteme gemeinsam stellen das System Patientenversorgung dar und sorgen dafür, dass die Gesundheit des Patienten im Idealfall vollständig wiederhergestellt wird.

Modell zur Qualität von Rettungsdienstmodellen (Quelle: antwortING)

Modell zur Qualität von Rettungsdienstmodellen (Quelle: antwortING)

Bei der Betrachtung des Teilsystems Rettungsdienst sind grundsätzlich zwei Qualitätsaspekte entscheidend: Die Effektivität und die Effizienz. Im Rahmen der Effektivität ist das Qualitätsmodell nach Donabedian anwendbar, welches in Strukturqualität, Prozessqualität und Ergebnisqualität unterscheidet. Die Effektivität bezeichnet also das Maß der Fähigkeit des Rettungsdienstes, seine Aufgabe zu erfüllen. Dabei ist der Rettungsdienst nicht entweder effektiv oder nicht effektiv. Vielmehr finden genau hier die oben genannten Qualitätsbegriffe Anwendung, um eine Abstufung in der Effektivität darzustellen. Die Leitfrage hinsichtlich der Effektivität ist: Wie wirksam sind die jeweiligen Maßnahmen? Die leitende Lieferant-Kunden-Beziehung in diesem Fall ist die Beziehung zwischen Rettungsdienst und Patient.

Unter Effizienz muss darüber hinaus betrachtet werden, ob und wie ein effektives rettungsdienstliches System auch effizient, in erster Linie also wirtschaftlich, betrieben werden kann. Auch hier gilt: Der Rettungsdienst ist kein in sich geschlossenes System. Effizienzverluste im System Rettungsdienst (z.B. durch besseres, aber teureres Gerät) können Effizienzgewinne in übergeordneten Systemen (z.B. dem gesamten Heilungsverlauf eines Patienten mit allen Folgekosten) erzeugen. Die Leitfrage hinsichtlich der Effizienz ist daher: Wie können die Gesamtkosten minimiert werden? Die leitende Lieferant-Kunden-Beziehung in diesem Fall ist die Beziehung zwischen Rettungsdienst und Kostenträger.

Die zentrale Frage ist folglich, wie, unter Berücksichtigung des Systemansatzes, Effizienz und Effektivität in ein harmonisches Gleichgewicht gebracht werden können, da beide Aspekte sich gegenseitig bedingen. Hierzu müssen hinsichtlich der Effektivität Richtwerte gefunden werden, die eine möglichst hohe Wirksamkeit von Maßnahmen gewährleisten, aber auch ein vertretbares Maß an Effizienz. Dieser Grundsatz gilt sowohl für das Teilsystem Rettungsdienst, als auch für das Gesamtsystem Patientenversorgung.

Den 2. Teil findet man hier.

 

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Benedikt Weber

Benedikt Weber

Ich arbeite als Beratender Ingenieur in Köln bei antwortING. Nach Jugend, Abitur und einer Ausbildung zum Bankkaufmann im Münsterland habe ich in Münster und Köln studiert.
Als Einsatz- und Führungskraft war ich mehrere Jahre im Rettungsdienst und Katastrophenschutz aktiv. Im Rahmen meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Einrichtungen habe ich mich auf die Verbesserung des Bevölkerungsschutzes spezialisiert. Ich arbeite in nationalen und internationalen Forschungsprojekten mit und nehme aktiv am Austausch in der zivilen Sicherheitsforschung teil. Unter anderem lehre ich am IdF (NRW) und der AKNZ sowie am Bildungsinstitut des DRK.
Benedikt Weber

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