Posted On 21. Mai 2015 By In Bevölkerungsschutz With 3512 Views

Qualität im Rettungsdienst III

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Qualität im Rettungsdienst bedeutet letztlich, dass das Beste zum Wohl des Patienten mit möglichst geringsten gesamtgesellschaftlichen Kosten getan wird. Dazu wird im dritten Schritt eine Darstellung der Systematik von Struktur-, Grund- und Kennzahlen vorgenommen.

Teil 3: Struktur-, Grund- und Kennzahlen

Den 1. Teil findet man hier.

Den 2. Teil findet man hier.

Strukturzahlen

Die Strukturzahlen sind im Einzugsbereich eines Rettungsdienstes von besonderer Bedeutung. Da der Rettungsdienst in der Regel in der Aufsicht und zunächst in der Trägerschaft der Gebietskörperschaften liegt, sind die Strukturzahlen von vorausgestelltem Interesse, um einen späteren Vergleich durchzuführen.

Wichtige Strukturzahlen für QM und Vergleiche im Rettungsdienst sind Zahlen und Fakten

  • zur Einwohnerzahl und zu besonderen Bevölkerungsindikatoren wie z.B. der Sozialindikatoren als Messgröße für die zu versorgende Bevölkerung.
  • zur versorgenden Stadt in Fläche und Ausdehnung als Messgröße für die zu versorgende Grundfläche sowie Entfernungen zu besonderen Einrichtungen
  • als Messgröße für Peaks in der Auslastung des Rettungsdienstes und für besondere Einsatzindikatoren.

Daher sollten die Strukturzahlen in die Blöcke: Bevölkerungszahlen, Geographie und Topographie, sowie Sonderobjekte eingeteilt werden. Eine weitere Aufgliederung kann aus wissenschaftlichem Interesse wertvoll sein, ist jedoch für einen Benchmark entbehrlich. Das für den Rettungsdienst wichtige Bevölkerungs-Cluster über die Einteilung des Alters und eventuell einen besonderen religiösen oder ethnischen Hintergrund wird mit der Erhebung zum Teil und somit indirekt gestaltet. Weitere Besonderheiten der Sozialstruktur können zusätzlich über die Strukturzahlen der besonderen Gebäude abgeleitet werden. Die Bevölkerungszahlen und deren Interpretation sind sensibel und dürfen nicht zu Irritationen in einem Benchmark unter den Kommunen führen. Insbesondere die Analyse der Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit dem Sozialisationsgrad, Arbeitslosenzahlen und ethnischen Gruppen muss sachlich betrachtet werden. Eine Bildung von Kennzahlen darf ausschließlich dem Zweck dienen, Optimierungen im Bereich des Rettungswesens zu suchen.

Es gilt der Grundsatz: Die Gefahrenabwehr ist Dienstleister in bester Art und Güte für jeden Bürger, der sich in einer Notlage befindet, oder dessen Eigentum in Gefahr ist. Dabei ist der Bürger derjenige, der sich im Stadtgebiet aufhält.

Die topographischen und geographischen Strukturzahlen können gesondert zusammengestellt werden. Sie sind erforderlich, um genau die äußeren Umstände und Anforderungen an den Rettungsdienst darzustellen. Hierbei wären im weiteren Verlauf noch Zusatzdaten aus der Geographie und über das Klima interessant, um einen detaillierten Vergleich zu ermöglichen. Diese Zahlen sind jedoch abhängig von jeweils spezifischen Fragestellungen. Beispiele wären hierbei die ⊘ Höhenmeter der befahrbaren Wege oder auch ⊘ Zeiten mit schneebedeckten Straßen, ⊘ Regentage, ⊘ Überflutungstage oder besondere geographische Trennungen wie durch Täler, Flüsse und Berge, aber auch durch Infrastruktur, wie z.B. Bahnübergänge oder Tunnels. Grundsätzlich stellen besondere klimatische als auch geographische Bedingungen besondere Anforderungen an Gerät und Personal.

Bei der Analyse der Kennzahlen gilt daher in der Kontrolle immer: Eine erneute Erhebung oder weitere Einbindung von Strukturzahlen ist gegeben, wenn Anzeichen für ein Rauschen bestehen. Das Rauschen bezeichnet in den Messreihen Eingangsgrößen, die noch nicht erkannt wurden, jedoch Auswirkungen auf die Ausgangszahlen haben. Bei ansonsten gleichen Eingangswerten, jedoch stark unterschiedlichen Ausgangszahlen, die nicht aufgrund der sonstigen Datenlage zu erklären sind, müssen neben den Strukturzahlen besondere klimatische oder topographische Begebenheiten analysiert werden. Auf diese Weise können Veränderungen in den Ausgangsdaten dann über alle Eingangsgrößen erklärt werden. Selbstverständlich können rein zufällige Unterschiede in den Ausgangswerten nicht vollständig erklärt werden.

Sonderobjekte und -veranstaltungen sind sehr entscheidende Strukturzahlen für den Aufbau von Kennzahlen. Eine Verdichtung von Einsatzzahlen oder Rettungswachen erfolgt zumeist in der Nähe derartiger Sonderobjekte. Diese Verdichtung kann zeitlich oder räumlich aufgebaut sein. Eine zeitliche Verdichtung kann z.B. bei Veranstaltungen oder Sportstätten durch einen Sonderbedarfsplan dargestellt werden. Eine räumliche Verdichtung ist das Ergebnis der Gefahrenanalyse im Kontext der Rettungsdienstbedarfsplanung.

Insbesondere bei Peaks in der Auswertung innerhalb eines Benchmarks muss eine Gegenprüfung mit den Sonderobjekten erfolgen. Diese sind dann nicht umfänglich in die Berechnung einbezogen worden. Weisen Kommunen eine gleichartige oder eine stark unterschiedliche Anzahl von Sonderobjekten im Stadtgebiet auf, muss dieser Faktor mit einer entsprechenden Glättung der Ergebnisse ausgeglichen werden.

Die Strukturzahlen stellen die Basis für die Kennzahlen dar. Über die Strukturzahlen werden die Grundzahlen zu vergleichbaren Kennzahlen transformiert.

Grundzahlen

Grundzahlen erheben die Daten für den speziellen Benchmark. Es empfiehlt sich die Grundzahlen innerhalb eines Betrachtungsbereiches fein aufzugliedern. Diese Vertiefung sollte in Form einer Differenzierung in die unterschiedlichen Managementbereiche erfolgen. Analog zur Betriebswirtschaft können im Rettungsdienst die Grundzahlen in die Kerndaten, Personal- und Finanzdaten aufgefächert werden. Dabei umfassen die Kerndaten alle Einsatzdaten und die Struktur des Rettungsdienstbereiches. Einige entscheidende Wesensmerkmale können jedoch nicht in Zahlen und Fakten erfasst werden und müssen als Zusatzinformationen im Benchmark gegeben werden. Die nachfolgenden Beiwerte müssen bei einem Vergleich von allen vom Leiter Rettungsdienst in ähnlicher Form aufbereitet werden, um neben der Erhebung der Grundzahlen weiterführende Kennwerte zu ermöglichen. Diese Beiwerte können im Rahmen der Analyse der Kennzahlen zur Optimierung entscheidend für den Ansatzpunkt der Veränderung sein. Sie werden aufgeteilt in: Rettungsdienstmodell, Notarztmodell, Dienststundenmodell, Qualitätsmanagement und Besonderheiten.

  • Rettungsdienstmodell
    Für den Vergleich müssen die Kerndetails des Rettungsdienstes erläutert werden. Beispielhaft sind hier das Konzessions- oder Submissionsmodell zu nennen. Weiterhin sind die Ausgestaltung der Personalgestellung und die Ausschreibungsmodalitäten z.B. von Fahrzeugen wichtig. Mit einem Organigramm können Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten innerhalb der Abteilung Rettungsdienst dargestellt werden, sowie die Einbindung in die Berufsfeuerwehr.
  • Notarztmodell
    Zunächst ist hier analog das Organigramms darzustellen, ob ein ärztlicher Leiter Rettungsdienst im RD-Bereich tätig ist. Daneben sind die grundsätzliche Ausgestaltung des Notarztmodells in Details der Personalgestellung, Diensthierachie und Verantwortlichkeit wichtig. Zusätzlich sind grundlegende Faktoren wie der Betrieb von NEF oder NAW oder beidem interessant für den Vergleich.
  • Dienststundenmodell
    Für die Interpretation der Grundzahlen und Kennzahlen aus dem Personalbereich ist die Erläuterung des Dienststundenmodells für den Rettungsdienst wichtig.
  • Qualitätsmanagement
    Der Benchmark selber stellt eine Maßnahme der Qualitätssicherung bzw. Qualitätsverbesserung dar. Darüber hinaus müssen die Bereiche eines Qualitätsmanagements nach DIN ISO 9000 aufgelistet werden. Daneben wären die Handbücher des auditierten Bereichs von Interesse.
  • Fortbildung und Weiterbildung
    Um im Vergleich die Leistungen des Rettungsdienstes zu analysieren, müssen die Voraussetzungen für Fortbildungen und Weiterbildung offen gelegt werden. Nur so können Rückschlüsse auf Leistungsdefizite oder -spitzen anhand der Kennzahlen folgerichtig bewertet werden.
  • Besonderheiten
    Alle weiteren Besonderheiten des Rettungsdienstes sollten stichpunktartig zusammengetragen werden. So können bei Peaks in der Auswertung eventuell über diese Punkte Rückfragen oder Rückschlüsse auf die Kennzahlen gezogen werden.

Wenn durch die Beiwerte das Grundgerüst des Rettungsdienstes dargestellt ist, erfolgt eine Feindefiniton über die Grundzahlen in Form der Kern-, Personal- und Finanzdaten. Wie bereits bei den Strukturzahlen erfolgt eine Aufgliederung in Art, Einheit und Bemerkungen. Die Kerndaten des Rettungsdienstes sind der wichtigste Block für einen Vergleich. Sie geben Auskunft über das Leistungspotential des Rettungsdienstes. Dies kann aufgeteilt werden in die Grundlage auf der die Leistung aufbaut. Daneben stellen die ermittelten Erreichungsgrade schon erste Kennwerte dar. Bei der Ermittlung der Einsatzzahlen und der Einsatzbeiwerte ist es notwendig, dass die Datenerhebung transparent und gleichartig ist. Dafür sind die erhobenen Beiwerte und Beschreibungen des Rettungsdienstes wichtig. So müssen bei einer Vergleichbarkeit von RTW-Einsätzen diese gleichartig sein. Dafür ist es notwendig die Abfrage- und Alarmierungsalgorithmen zu vergleichen um gegebenenfalls eine Angleichung der Zahlen vorzunehmen. Eine derartige Beschreibung muss aus den Beiwerten hervorgehen.

Neben den Kerndaten steht zur Erreichung der Ziele das Personal des Rettungsdienstes im Mittelpunkt der Dienstleistung Rettungsdienst. Daher ist für einen Vergleich das Erheben von Personaldaten im Bereich der Grundzahlen unerlässlich. In Korrelation mit den Finanzdaten aus dem NKF können so ggf. unmittelbar Handlungsfelder abgeleitet werden. Die Erfassung und Interpretation dieser Zahlen muss ähnlich sensibel erfolgen wie der Vergleich der städtischen Strukturzahlen.

Durch den Abteilungsleiter Rettungsdienst muss weiterhin deutlich gemacht werden, dass der Sicherung von Arbeitsplätzen und der Steigerung von Qualität seine erste Priorität gilt. Diese Aufgabe wird parallel mit einer Steigerung der Kosteneffizienz erfolgen. Kosteneffizienz und Steigerung der Personalzufriedenheit sind keine widerstreitenden Interessen. Durch einen Vergleich kann mittel- und langfristig die Personalzufriedenheit gesteigert werden wenn die Zahlen richtig kommuniziert werden.

Durch das interne Benchmark kann der Abteilungsleiter vielmehr auch kleinere Projekte überwachen und schnell auf Probleme reagieren. Im externen Vergleich können dann die Finanzdaten verglichen werden. Im wirtschaftlichen Interesse liegt fortwährend die Frage, wie kostengünstig kann der Mitbewerber produzieren und wie hoch sind die Margen. Der Transfer dieser Aufgaben in die Abteilung Rettungsdienst oder in die allgemeine Gefahrenabwehr ist nicht möglich. Jedoch ist auch die Koppelung der Finanzdaten mit anderen Grundzahlen und anderen Strukturzahlen notwendig um dem Abteilungsleiter ein umfassendes Bild seiner Abteilung im Vergleich zu Dritten zu vermitteln. Insbesondere für die Kostenträger kann dies von großem Interesse sein.

Kennzahlen

Die Kennzahlen bilden das wesentliche Element für ein internes oder externes Benchmark. Obgleich auch schon ein Vergleich verschiedener Grundzahlen erste Ergebnisse und Trends zeigen können, sind sie allein stehend nicht hilfreich. Erst die Kombination verschiedener Grundzahlen gemeinsam oder mit Strukturzahlen ergeben aussagekräftige Zahlen für die Interpretation des eigenen Rettungsdienstbereiches. Die Interpretation erfolgt in der definierten Leistungsfähigkeit oder einer finanziellen Betrachtung.

Wichtig hierfür sind Leitfragen für ein Benchmark. Es ist nicht nur von Interesse welche Fragen der Abteilungsleiter, die Politik oder auch Dritte beantwortet wissen wollen, sprich welche konkreten Daten er aus dem Vergleich hervorgehen sollen.

Folgend werden beispielhaft einige Kennzahlen mit drei Leitfragen vorgestellt:

1. Wie ist die Versorgungseffizienz des Rettungsdienstbereiches?

Versorgungseffizienz des Rettungsdienstbereichs. (c) antwortING

Versorgungseffizienz des Rettungsdienstbereichs. (c) antwortING

 

2. Welche Merkmale sind im Bereich des Qualitätsmanagements und der Personalführung signifikant?

Kennzahlen für Personalführung und Qualitätsmanagement. (c) antwortING

Kennzahlen für Personalführung und Qualitätsmanagement. (c) antwortING

 

3. Wie ist die spezifische Ertragsstruktur des Rettungsdienstbereiches aufgebaut?

Ertragsstruktur des Rettungsdienstes. (c) antwortING

Ertragsstruktur des Rettungsdienstes. (c) antwortING

Benedikt Weber

Benedikt Weber

Ich arbeite als Beratender Ingenieur in Köln bei antwortING. Nach Jugend, Abitur und einer Ausbildung zum Bankkaufmann im Münsterland habe ich in Münster und Köln studiert.
Als Einsatz- und Führungskraft war ich mehrere Jahre im Rettungsdienst und Katastrophenschutz aktiv. Im Rahmen meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Einrichtungen habe ich mich auf die Verbesserung des Bevölkerungsschutzes spezialisiert. Ich arbeite in nationalen und internationalen Forschungsprojekten mit und nehme aktiv am Austausch in der zivilen Sicherheitsforschung teil. Unter anderem lehre ich am IdF (NRW) und der AKNZ sowie am Bildungsinstitut des DRK.
Benedikt Weber

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