Posted On 24. Dezember 2014 By In Notfallmanagement With 2911 Views

Nutzung von Social Media auf Festivals

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In Zeiten, in denen Social Media immer mehr an Beliebtheit gewinnt, sollte diese Möglichkeit der Informationsübermittlung auf Festivals, Großveranstaltungen und Konzerten nicht vernachlässigt werden. Laut einer repräsentativen Studie sind insgesamt 78% der Internetnutzer in sozialen Netzwerken angemeldet, 64% sind bei Facebook angemeldet. Jedoch beziehen sich diese Zahlen auf Internetnutzer, die 14 bis 65 Jahre (oder älter) alt sind. Die Zielgruppe der Veranstalter, die Festivals organisieren, sind allerdings jüngere Menschen. Jüngere Menschen sind deutlich häufiger in sozialen Netzwerken angemeldet (93% der 14 bis 19 Jährige und 85% der 20 bis 29 Jährige) (BITKOM – Bundesverband Informationswirtschaft, 2013).

 

Gewinnbringender Einsatz von Social Media

Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit, Informationen und Handlungsanweisungen auf den Netzwerken (und der Veranstaltungs-App) kundzutun. Aus der Tatsache heraus, dass bei Facebook eine Kommentierungs-Funktion vorhanden ist, ergeben sich unter anderem folgende Vorteile:

  1. Mitarbeiter des Veranstalters können direkt und individuell mit den Festivalteilnehmern kommunizieren.
  2. Mitarbeiter des Veranstalters können Informationen über bestimmte Gefahrenlagen schnell beziehen.

Diese Funktionen können dann gewinnbringend in der Gefahrenabwehr eingebracht werden, wenn der Veranstalter die sozialen Netzwerke als ein Kommunikationskanal verwendet. Erst dann können zum Beispiel Handlungsanweisungen und Warnungen über die sozialen Netzwerke veröffentlicht werden. Die Notwendigkeit der örtliche Nähe zu einer Beschallungsanlage oder einer Video-Leinwand ist damit hinfällig. So können zum Beispiel sich auch die, auf der Anreise befindlichen Besucher, darüber informieren, wie die aktuelle Lage auf dem Festivalgelände ist. Es können Informationen zu Straßen-Sperrungen und Alternativ-Routen veröffentlicht werden.

Beispiel eines Einsatzes von Social Media bei einem Festival

In einer akuten Gefahrensituation kommt der Mehrwert der weitverbreiteten Nutzung von Social Media deutlich zur Geltung: Handlunganweisungen mit konkreten Tipps können schnell und zielgerichtet eine Vielzahl von Besuchern erreichen. Zum Beispiel verschickten die Veranstalter des Hurricane Festivals 2013 folgende Handlungsanweisung über die Veranstaltungs-App: „Achtung Unwetterwarnung! Mit Starkregen und Wind! Sichert Eure Zelte und bringt Euch bitte schnell in Sicherheit! Am besten im Auto!“. Zeitgleich wurde auf Facebook folgendes gepostet: „„Achtung Unwetterwarnung! Polizei und Feuerwehr warnen aktuell vor Gewittern mit Hagel und hohen Windstärken in den nächsten Stunden. Alle Besucher sollen bitte ab sofort auf den Aufbau von Zelten, Pavillons und dergleichen verzichten, bis es Entwarnung gibt. Wer schon aufgebaut hat, soll sein Zelt unbedingt zumachen und sichern! Bitte sucht alle Eure Autos auf und nehmt auch Besucher auf, die ohne Auto da sind, wenn ihr Plätze frei habt. Dies ist der sicherste Ort. Schaltet CampFM auf 92,7 ein und folgt den Hinweisen von Polizei, Feuerwehr und Ordnern UNBEDINGT!“.

Diese Nachricht beinhaltet folgende Aspekte:

  1. Den Festivalbesuchern wird der Grund für diese Maßnahme konkret genannt.
  2. Es wird gesagt, in welchem Zeitraum mit diesen Wetterphänomenen zu rechnen ist.
  3. Es werden konkrete Handlungsanweisungen gegeben, wie sich die Veranstaltungsteilnehmer in dieser Situation schützen können.
  4. Es wird angegeben, wo weitere Informationen zu beziehen sind (beim Festival-Radiosender).

Dr. Schmalzl, Polizeipsychologe beim Zentralen Psychologischen Dienst der Bayerischen Polizei, hält es auch für richtig, den Veranstaltungsteilnehmern die Wahrheit zu sagen. So sagte er bei einem Experteninterview in diesem Zusammenhang:

“Aber lieber den Leuten die Wahrheit sagen, als einen Popanz aufbauen, der mir dann völlig außer Kontrolle gerät“ (Interview mit Dr. Hans-Peter Schmalzl, 12.05.2009, S. 6).

Wirkung von Handlungsanweisungen via Social Media

Simple Maßnahmen können bei einem Gewitter  eine große Wirkung haben. Voraussetung hierfür ist allerdings, dass die Besucher eines Festivals darüber informiert werdem, dass sie im Auto an einem sicheren Ort sind. Das Fahrzeug bietet nämlich gegen Blitze einen besonderen Schutz, denn das Auto bildet den sogenannten Faraday´schen Käfig. Ein Auto stellt ein vollständig geschlossenes Metallgitter dar. Aufgrund dieser geschlossenen Konstruktion entsteht nur an der Oberfläche des Autos eine starke Ladung, die sonst lebensgefährlich sein könnte. Im Fahrzeuginneren entsteht kein elektrisches Feld, da die vollständige Spannung über die Außenseite des Autos in den Boden abgeleitet wird (Niels Waibel, 2006). Deshalb besteht innerhalb eines Fahrzeuges keine Gefahr für den Veranstaltungsteilnehmer. Nach dem gleichen Prinzip würde der Blitz auch bei einem Bus ableiten- vorausgesetzt dieser hat eine metallische Oberfläche.
Durch eine langfristige Planung kann man so die Vertreter des öffentlichen Nahverkehrs damit beauftragen, bei einer Gefahrenlage durch Blitze, diverse Busse zur Verfügung zu stellen, um die Veranstaltungsteilnehmer, die ohne ein Privat-Fahrzeug angereist sind, zu schützen. Diese Maßnahme ist eine Überschneidung der organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen.

Soziale Netzwerke stellen eine optimale Plattform dar, um bestimmte Informationen über Wettersituation, Verkehrslage uvm. und den entsprechende Handlungsanweisugen schnell und kostenlos einem großem Festival-Publikum zu vermitteln.

 

Ramian Fathi

Ramian Fathi

Wissenschaftliche Hilfskraft an der Bergischen Universität Wuppertal, Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit.
Ramian Fathi

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