Posted On 10. Februar 2015 By In Bevölkerungsschutz, Führen und Leiten With 2258 Views

Lagemeldung und Unterrichtungen 

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Lagemeldungen und Unterrichtungen sind wichtige Werkzeuge, um ein gemeinsames Lageverständnis zwischen mehreren Führungsgremien zu erzeugen. Dabei sind Lagemeldungen von unterstellten für die übergeordneten Führungsgremien und Unterrichtungen von den übergeordneten für die unterstellten bzw. für Führungsgremien außerhalb des eigenen Führungssystems (z. B. den Polizeistab) bestimmt.

Jede Lagemeldung/Unterrichtung (im Weiteren kurz Meldung) hat als Ziele:

  • die Empfänger verstehen den Inhalt,
  • sie können ihn für ihre Aufgaben nutzen und
  • sie werden animiert, das Notwendige zu tun.

Deshalb ist die Frage zu beantworten, was interessiert den Adressaten. Und dann muss jede Meldung genau auf dem oder die Empfänger zugeschnitten werden. Sie ist vom S2 vorzubereiten und von der Stabsleiterin freizugeben, d. h. zu kontrollieren und zu unterzeichnen. Der Versandt wird danach vom S2 sichergestellt.

Aus der experimentellen Psychologie ist bekannt, dass Menschen bei der Aufnahmen von einer Reihe von Informationen im wesentlichen die erste und die letzte Aussage im Gedächtnis behalten. Dies sollte beim Aufbau einer Meldung berücksichtigt werden. Auch geeignete Bilder und Grafiken erleichtern häufig das schnelle Verstehen. Hier ist aber besonders darauf zu achten, dass durch die Bilder nicht in die Irre leitende Assoziationen beim Leser erzeugt werden. Da die Meldungen unter Stress verarbeitet werden müssen, sollte jeder Adressat mit der Form der  Informationsvermittlung vertraut sein, weshalb eine standardisierte Form, die immer wieder genutzt wird, zu bevorzugen ist.

 

Prinzipieller Aufbau

Meldungen sollten grundsätzlich aus vier Bereiche bestehen:

  • Übersicht
  • Erster Informationsblock: „Fremde Lage”
  • Zweiter Informationsblock: „Eigene Lage”
  • Prognose

Auf der ersten Seite wird die Situation als „Großes Bild”, der Wald und nicht die Bäume und nur dieses wiedergegeben. Mittels dieser Seite muss der Empfänger in der Lage sein, auf einen Blick zu erkennen, wie kritisch die Situation ist.
Die detaillierten Informationen werden in den Informationsblöcken entsprechend des Entscheidungsfindungsprozesses aufgeführt. Wichtig ist auch hier, dass die Informationen so angegeben werden, dass sie schnell erfasst werden können. So sollten nicht veränderte Informationen auch als solche gekennzeichnet werden, z. B. unter Auftrag: „unverändert: Erhöhen des Deiches mittels Sandsäcke um 50 cm zwischen den Flusskilometern 54,345 und 59,121.” Kenne ich als Lesender schon den Auftrag des Führungsgremiums kann ich nach dem ersten Wort diesen Punkt überspringen.

Abgeschlossen wird die Meldung mit der Prognose.

 

Erste Seite – die Übersicht

Als erstes ist die Verfassungszeit wichtig, damit der Adressat sie im Kontext zu Informationen anderer Quellen setzen kann. Auch die Uhrzeit der vorherigen Meldung ist wichtig, um die Chronologie der Entwicklungen lückenlos nachvollziehen zu können.
Die erste Seite zeigt die Entwicklung seit der letzten Meldung. Dabei reicht es für einen ersten Überblick aus, die Aussage zu treffen: „Lage ist unverändert”, „Lage hat sich verbessert”, „Lage hat sich verschlechtert”. Wobei die Schadenlage von der eigenen Lage zu unterscheiden ist. Für einen schnellen Überblick reicht eine „Ampel-Symbolik” vollkommen aus: z. B. rot: verschlechtert, gelb: gleichbleibend, grün: verbessert.
Die nächste wichtige Information ist die Prognose / Entwicklung der Lageentwicklung (wiederum Schadenlage und eigenen Lage getrennt). Prognosen sind die Grundlage einer jeden Entscheidungsfindung. Auch hier bietet sich die „Ampelsymbolik” an.
Abgeschlossen wird der Überblick mit Nach- und Anforderungen bzw. Anträge, Bitten um Amtshilfe usw..
Ein Beispiel für eine solche erste Seite einer Meldung einer TEL an den Führungsstab ist in Abbildung 1 angegeben.

Übersicht

Abbildung 1: Übersicht (erste Seite) der Lagemeldung einer TEL an den Führungsstab

 

Erster Informationsblock – die Fremde Lage

Im ersten Informationsblock wird die „Fremdlage” dargestellt. Dies sind der Auftrag, die Allgemeine Lage und der Istzustand der Schadenlage zum Zeitpunkt des Verfassens der Meldung.
Obwohl in den Informationsblöcken die Situation detaillierter beschrieben werden soll, ist trotzdem ein knappe und auf den Punkt bringende Formulierungsform zu nutzen. Niemand hat die Muse, langatmige Texte zu lesen. Der Wunsch nach Kürze darf allerdings nicht auf Kosten der Verständlichkeit befriedigt werden. Besonders Fachleute neigen dazu, eine „Geheimsprache” zu verwenden, in der auch noch viele Abkürzungen benutzt werden. Man sollte diese Sprache nur nutzen, wenn man sicher ist, dass der Gegenüber diese „Geheimsprache” auch versteht. Besonders zwischen verschiedenen Behörden und Organisationen sollte man nicht davon ausgehen. Oder wissen Sie, mit wie viel Personen Sie rechnen müssen, wenn ein Pionierbataillon oder eine NRW Feuerwehrbereitschaft anrückt? Hier können manchmal Verbindungspersonen weiterhelfen, aber nicht immer.
Der Auftrag und die allgemeine Lage wird sich nur von Zeit zu Zeit ändern. Dagegen kann der Istzustand der Schadenslage sehr dynamisch sein. Häufig erhält man aus inoffiziellen Quellen Informationen, die zwar wichtig sind, um vor die Lage zu kommen, die aber noch nicht bestätigt sind. Deshalb ist eine Bewertung der Information nach „sicher” und „unsicher” angezeigt. (siehe Abbildung 2)

Fremdlage

Abbildung 2: Die fremde Lage

Die Daten (z. B. Personenschäden) sind in das Formular einzutragen und dahinter ist jeweils anzukreuzen, ob die entsprechende Information sicher bzw. unsicher ist.

 

Zweiter Informationsblock – die Eigene Lage

Als nächstes wird die eigene Lage beschrieben. Die drei Bereiche Personal (S1), Ressourcen (S4) und Kommunikation (S6) können wieder mit einer Ampel-Symbolik dargestellt werden. (siehe Abbildung 3) Es ist der derzeitige Einsatzwert anzugeben. D. h., es ist die Beanspruchung der Einsatzkräfte und der Verbrauch ein Einsatzmitteln zu berücksichtigen. Mittels dieser Ampel-Symbolik kann jeder im Stab schnell einen Überblick über die Situation vor Ort gewinnen. Die genauen Zahlen sind nur für wenige Personen im Stab interessant (z. B. S5) und wird deshalb auch erst später in der Personalstatistik angegeben.

Dann werden die eigenen Maßnahmen beschrieben. Dies sind der Einsatzschwerpunkt, die eingeleitenden Maßnahmen und die Raumordnung sowie die geplante Einsatzdauer. Ob die Beschreibung nach funktionellen (Situation des Rettungsdienstes) oder geografischen (Situation im Einsatzabschnitt „Burgplatz”) Gesichtspunkten geordnet wird, ist von der jeweiligen Lage und vom „Geschmack des Verfassers” abhängig. Ist aber erst einmal ein Aufbau gewählt, sollte dieser nur in besonderen Fällen geändert werden. Dieses sollte auch ein ablösender S2 berücksichtigen. Die Einheitlichkeit des Aufbaus ist ein wichtiges Hilfsmittel zu Begrenzung des Stresses beim Leser.

Eigenlage

Abbildung 3: Die Eigene Lage

 

Prognose

Der wichtigste Bestandteil neben der Übersicht und oft der schwierigste schließt die Meldung ab: der Blick in die Zukunft (siehe Abbildung 4). Hier soll kurz beschrieben werden, wie die Zukunft wahrscheinlich und im Worst Case aussehen wird.
Abschließend wird angegeben, welches weitere Vorgehen kurz- und mittelfristig geplant ist, sprich wie die Einsatzplanung aussieht.

Prognose

Abbildung 4: Die Prognose

 

Schlussbemerkungen

Das Schreiben eines Lageberichtes benötigt Zeit und Konzentration. Schnell mal hingeschriebene Berichte können erhebliche Schäden anrichten. Ändert sich die Lage entscheidend, ist selbstverständlich eine „Sofortmeldung” abzugeben. Ansonsten sollte man sich an den Rhythmus, der von dem übergeordneten Führungsgremium vorgegeben ist, halten (siehe meinen Block „Wie finde ich in einem Führungsstab Zeit zum Denken?”).

Andreas Karsten

Andreas Karsten

Andreas H. Karsten
Ministry of Interior UAE, United Arab Emirates, Strategic Advisor Department of Public Safety and Quick Intervention
Civil Expert for NATO Civil Protection Group

Geboren 1962 in Braunschweig. Ich arbeite, unterrichte und forsche seit einigen Jahren in den Bereichen Disaster Response, Entscheidungsfindung, Stabslehre und Spezielle Einsätze im Bereich des Bevölkerungsschutzes.
Seit meinem 16. Lebensjahr bin ich Mitglied der FF Braunschweig/Rautheim und seit 2004 im THW Bochum.
Nach meinem Studium der theoretischen Kernphysik an der Technischen Universität Carolina Wilhelmina zu Braunschweig absolvierte ich mein Referendariat zum höheren feuerwehrtechnischen Dienst bei der Berliner Feuerwehr. Danach arbeitete ich als Direktionsdienstbeamter bei den Berufsfeuerwehren Stuttgart und Bochum bevor ich 2006 als Lehrbereichsleiter zum BBK an die AKNZ wechselte.
Seit Mai 2014 arbeite ich für das Innenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate.
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