Posted On 26. Mai 2015 By In Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe, Social Media, Technologie With 2635 Views

Die Lösung aller zukünftigen Herausforderungen – der Mensch

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Auf der Interschutz 2015, die in wenigen Tagen startet, werden wir eine Vielzahl an neuen Technologien kennenlernen dürfen. Bei manchen wird mir vor Staunen der Mund offen stehen bleiben. Aber wie Doug Hanchard immer ausführt: „Technologie rettet keine Menschenleben – Menschen tun dies.” Der Schlüssel der heutigen und der zukünftigen Herausforderungen im Bevölkerungsschutz sind gut ausgebildete Einsatzkräfte.

DGSMTech

Zukünftige Herausforderungen an den Bevölkerungsschutz 

Wie sieht die Zukunft für den Bevölkerungsschutz aus? Drei Entwicklungen die derzeit Politik, Wirtschaft, Kultur usw. verändern, werden auch den Bevölkerungsschutz grundlegend verändern. Moisés Naim bezeichnet sie als „More Revolution”, „Mobility Revolution” und „Motivation Revolution”. Alles ist heute mehr als früher: mehr Menschen, mehr Städte, mehr Medizin, mehr Informationen, mehr Freizeit, mehr Einsatzmittel, mehr Naturkatastrophen,…. Es gibt nicht nur mehr Menschen, sondern heute sind auch eine bisher unbekannte Anzahl von Ihnen in der Lage zu reisen. Während es noch für meine Großeltern undenkbar war, nach einem Starkregen nach Oberbayern zu fahren, um den dortigen Menschen zu helfen, war es für meine Eltern außergewöhnlich, dass ich mit dem THW zur Katastrophenhilfe nach Sumatra geflogen bin. Heute sind auch kleine NGOs und Einzelpersonen in der Lage, nahezu zu jeder Katastrophe auf dieser Welt zu reisen. Und letztendlich hinterfragen immer mehr Menschen alte Autoritäten, wie Regierungen, Kirchen, die WHO, die Feuerwehren,…. Was bewirken nun diese drei Revolutionen? Macht wird in allen Bereichen dezentralisierter. Immer mehr Akteure (staatliche und nichtstaatliche Organisationen, Wirtschaftsunternehmen, Privatpersonen,…) werden zukünftig im Bevölkerungsschutz tätig werden. Alle, aber vor allem die verantwortlichen staatlichen Behörden, müssen lernen mit dieser Situation umzugehen, so dass letztendlich den Betroffenen besser geholfen wird, als es früher möglich war. Und dazu bedarf es gut ausgebildeter, schlauer und flexibler Menschen.

 

Erfahrung versus theoretisches Wissen 

Wer ist die bessere Einsatzleiterin? Die Seiteneinsteigerin häufig mit akademischer Ausbildung oder die Aufsteigerin, die sich in der Organisation durch alle Führungsebenen durchgearbeitet hat? Erfahrung an sich hat keinen Wert: es ist nicht ausgeschlossen, dass man 25 Jahre Erfahrungen anhäuft und diese alle falsch sind. Aber auch theoretisches Wissen alleine reicht – gerade in Stresssituationen – nicht aus.

Ich hatte das Glück, als junger Referendar und Brandrat bei einem der besten Lehrer der deutschen Feuerwehren arbeiten zu dürfen, Wolf-Dieter Prendke. Ich bin ihm und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seiner Abteilung überaus dankbar. Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen, die sie mit mir teilten, waren für mich am Anfang meiner beruflichen Laufbahn unverzichtbar und noch heute profitiere ich von ihnen.
Theoretische Kenntnisse und (eigene wie fremde) Erfahrungen sind das Fundament einer guten Einsatzleiterin.

 

Ausbildung 

Die Entwicklung zu einer guten Einsatzkraft ist zeitraubend und selten medienadäquat. Neue technologische Gadgets, immer größere oder schnellere Einsatzfahrzeuge oder futuristische Bauten sind schnell und recht kostengünstig zu beschaffen und lassen sich in den Medien einfach besser verkaufen, als die Bildung von Wissen und Weisheit in den Köpfen der Menschen.

Komp

Trotzdem bleibt die Vorbereitung von Einsatzkräften auf ihre spätere Tätigkeit, die Aus-, Fort- und Weiterbildung, der alles entscheidende Faktor, um das Leid von Betroffenen mildern zu können. Und lebenslanges Lernen darf nicht nur in Sonntagsreden propagiert werden, sondern muss gelebt werden.

 

Der neue Ansatz der DGSMTech

In der Satzung der „Deutschen Gesellschaft zur Förderung von Social Media und Technologie im Bevölkerungsschutz” sind im § 2 die Ziele und Aufgaben des Vereins beschrieben. Dort heißt es unter anderem:

  • Der Verein erreicht seine Ziele insbesondere durch [Beispielhafte Aufzählung]:
    1. Vorträge der Vereinsmitglieder
    2. Wissenschaftliche (nicht kommerzielle) Kurse und Ausbildungen, z. B. e-learning, MOOC’s (Massive Open Online Course)
    3. Beratungsleistungen und Evaluation
    4. Förderung von Forschungen, z.B. mittels Durchführung eigener Projekte.
    5. Lehre

Unsere Motivation zur aktiven Mitarbeit in diesem Verein ist es, dass zukünftig betroffenen Menschen besser geholfen wird, oder: wir möchten das Leid von Menschen ein wenig lindern helfen. Und das u. a. dadurch, in dem wir andere dazu befähigen genau dies zu tun. Und wie versuchen wir dies zu erreichen? Durch für Jedermann offene und erschwingliche Formate.

Im Folgenden möchte ich einige unsere Aktivitäten, die häufig in Zusammenarbeit mit anderen (z. B. der Bergischen Universität Wuppertal) durchgeführt werden, vorstellen:

 

Publikationen

Viele unsere Vereinsmitglieder veröffentlichen in Fachpublikationen ihrer Fachgebiete und / oder in der (kostenlosen) Onlinezeitschrift: „JEMPS” (www.jemps.de).

JEMPS

Vorträge, Online-Vorlesungen, Hangouts, Konferenzen
Eine Reihe von Vorträgen der Vereinsmitglieder im Rahmen von eigenen oder fremden Veranstaltungen können mittlerweile bei Youtube verfolgt werden. Beispiel finden Sie hier: https://www.youtube.com/channel/UCwsE8cDf_B4C0xmchgLcIuw/playlists.

 

Lehrmaterialien

Wie oben bereits beschrieben, kann auf theoretisches Wissen nicht verzichten werden. Deshalb wollen wir die „DGSMTech Kompendien” veröffentlichen. Das Erste „Ausgewählte Aspekte der Führungs- und Stabslehre” wird zur Interschutz erscheinen und kostenlos auf der Internetseite der Gesellschaft downloadbar sein.

Komp2
Die Kompendien sind Studienbücher, sprich Arbeitsbücher. Wir hoffen, dass Sie sie nicht nur lesen, sondern ihren Inhalt in Ihren Köpfen durchwalken. Durchdenken Sie die Inhalte, textmakern Sie, schreiben Sie in die Unterlagen, malen Sie darin herum, haben Sie keine Bedenken, Sie können immer wieder ein „frisches” Kompendium laden. Da die Kompendien keine Hardcoverbücher sind, eigenen sie sich auch nicht als Blickfang im Bücherregal. Und diskutieren Sie den Inhalt mit Kameraden und Kollegen. Und diskutieren Sie via elektronischen Medien mit der Autorin / dem Autor.

 

Um die Herstellungskosten zu minimieren, wurde auf Vieles verzichtet, was Sie von herkömmlichen Fachbüchern kennen, z. B. aufwendiges Layout oder den Text zu redigieren. Da hoffen wir auf Ihre Hilfe: Crowd-Redigieren ist unser Ansatz.

 

Unterstützung zukünftiger und junger Führungskräfte des Bevölkerungsschutzes

Diese Personengruppe möchten wir bei ihrer Entwicklung durch zwei spezielle Programme unterstützen.

Unterstützung bei Studienarbeiten (Promotion, Master-, Bachelorthesis)

Wir stehen Ihnen als Erst- oder Zweitbeurteiler bzw. Begleiter je nach Prüfungsordnung zur Verfügung. Themen, die wir spannend finden, werden auf der Webpage der Gesellschaft veröffentlicht. Aber wir stehen Ihnen auch bei anderen Themen gerne zur Seite, vorausgesetzt wir verfügen über die notwendigen Kompetenzen.

 

Mentorenprogramm

Die Mitglieder des Vereins befinden sich in den unterschiedlichen Phasen der beruflichen Karriere: manche sind am Ende Ihres Studiums, andere stehen wiederum kurz vor der Rente. Diesen Erfahrungsschatz stellen wir im Rahmen unseres Mentorenprogramms zur Verfügung.

Ohne Titel

Ziel ist es, zukünftige und junge Führungskräfte des Bevölkerungsschutzes mit unseren Mitgliedern zum vertieften Gedankenaustausch zusammenzubringen.
Wir organisieren die Gründung einer Gruppe (1 Mentor plus maximal 10 Studierende), danach obliegt es den Mentoren und besonders den Mentees, die Gruppe am Leben zu erhalten. Ort, Art und Häufigkeit der Treffen sollen selbst festgelegt werden. Des Weiteren stehen unsere Mentoren neben den Gruppenaktivitäten sicherlich auch für Einzelgespräche zur Verfügung, ich möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass dies kein Coaching-Programm darstellt. Geben und Nehmen steht im Mittelpunkt unseres Programms, es stellt keine Job-Börse dar.

 

Was hat das alles mit Social Media und Technologie zu tun?

Ganz einfach, sie sind die Voraussetzungen sowohl für die zukünftigen Entwicklungen im Bevölkerungsschutz, wie für einige unserer Lehr- und Informationsformate.

 

Wie können Sie mehr über die Aktivitäten der DGSMTech erfahren?

Besuchen Sie uns einfach auf unserer Webpage oder vom 08. bis zum 13. Juni  auf der Interschutz 2015 am Stand E30 in der Halle 25!

Andreas Karsten

Andreas Karsten

Andreas H. Karsten
Ministry of Interior UAE, United Arab Emirates, Strategic Advisor Department of Public Safety and Quick Intervention
Civil Expert for NATO Civil Protection Group

Geboren 1962 in Braunschweig. Ich arbeite, unterrichte und forsche seit einigen Jahren in den Bereichen Disaster Response, Entscheidungsfindung, Stabslehre und Spezielle Einsätze im Bereich des Bevölkerungsschutzes.
Seit meinem 16. Lebensjahr bin ich Mitglied der FF Braunschweig/Rautheim und seit 2004 im THW Bochum.
Nach meinem Studium der theoretischen Kernphysik an der Technischen Universität Carolina Wilhelmina zu Braunschweig absolvierte ich mein Referendariat zum höheren feuerwehrtechnischen Dienst bei der Berliner Feuerwehr. Danach arbeitete ich als Direktionsdienstbeamter bei den Berufsfeuerwehren Stuttgart und Bochum bevor ich 2006 als Lehrbereichsleiter zum BBK an die AKNZ wechselte.
Seit Mai 2014 arbeite ich für das Innenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate.
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