Posted On 17. März 2015 By In Bevölkerungsschutz, Führen und Leiten With 3093 Views

Das Incident Command System und United Command der USA

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In den USA wird allen Organisationen, die in der Gefahrenabwehr tätig sind, empfohlen, das Incident Command System (ICS) zu nutzen. So soll sichergestellt werden, dass bei einer Schadenlage, bei der mehrere Organisationen tätig werden, eine gemeinsame Führungsstruktur, das United Command, aufgebaut werden und somit eine effektive und effiziente Schadenabwehr zum Wohle der Betroffenen erfolgen kann.

Das ICS wird von den Polizeibehörden genauso genutzt wie von den Feuerwehren oder etwa dem United States Department of Acriculture.

 

Allgemeine Festlegungen des Incident Command System (ICS)

Das ICS ist ein standardisiertes, für alle Risiken geeignetes Managementkonzept , z. B. für:

  • Brände (Gebäude- und Flächenbrände),
  • Gefahrguteinsätze,
  • Rettungseinsätze, wie MANV,
  • Terroranschläge,
  • Umweltverschmutzungen, z. B. Öl,
  • Pandemie / Epidemie,
  • Tierpandemie,
  • Geplante Großveranstaltungen.

Das ICS ist flexibel aufgebaut, es kann je nach Bedarf reibungslos erweitert oder verkleinert werden. Deshalb ist es:

  • Interdisziplinär und
  • flexibel für jede Organisation geeignet.
  • Es erfüllt die Anforderungen von Schadenlagen jeglicher Art und Größe,
  • es ist für Routineeinsätze wie für große und komplexe Katastrophenlagen geeignet,
  • und es erlaubt, dass Einsatzkräfte unterschiedlicher Organisationen sofort in einer einheitlichen Managementstruktur kosteneffektiv arbeiten können.

Es besteht keinerlei Korrelation zwischen dem ICS und der administrativen Struktur einer der beteiligten Organisationen.

Jeder Einsatz wird von einem Incident Commander geleitet. Je größer die Schadenlage ist, je mehr Aufgaben hat sie/er zu delegieren. Dabei wird zwischen dem General Staff und dem Command Staff unterschieden (siehe Abbildung 1). Die Leitungsspanne wird mit 3-7, ideal 5 angegeben. Die Funktion des Commanders ist die einzige, die bei allen Einsätzen besetzt ist. Dienstgrad, Einstufung und Dienstalter sind keine Kriterien bei der Auswahl des Commanders. Vielmehr ist die Person zu wählen, die über die beste Qualifikation und Erfahrung bezüglich des Schadenereignis verfügt.

C2 USA.001

Abbildung 1: Grundsätzlicher Aufbau des ICS 

Der Command Staff stellt Querschnittaufgaben für die gesamte Organisation sicher, während der General Staff einzelnen Teilbereiche der Organisation leitet.

Der Commander legt die Einsatzziele und Prioritäten fest und hat die Gesamtverantwortung.

Die einzelnen Sections können weiter unterteilt sein.

 

Operations Section (siehe Abbildung 2)

Diese Section ist für die Leitung der taktischen Operationen verantwortlich. (Hier ist zu beachten, dass das US System dem deutschen entspricht: strategisch – operativ – taktisch, nicht dem britischen strategisch – taktisch – operativ). Sie führt den Einsatzplan aus und befiehlt die taktischen Ressourcen.

C2 USA.002

Abbildung 2: Grundsätzlicher Aufbau der Operation Section

Die weitere Aufspaltung der Befehlskette kann sowohl nach räumlichen (in Divisions) wie auch nach Aufgaben (in Groups) erfolgen. Dabei sind Task Forces kombinierte Einheiten verschiedener Ressourcen mit einheitlicher Kommunikation unter einheitlicher Führung, Strike Teams eine Anzahl von Einheiten gleicher Ressourcen mit einheitlicher Kommunikation unter einheitlicher Führung und Single Resources Einzelpersonen oder Einzelgerätschaften und ihr Bedienungspersonal.
Bei großen Schadenlage können Divisions and Groups zu Branches zusammen geführt werden.

 

Planning Section (siehe Abbildung 3)

Die Planning Section ist für das Sammeln, Analysieren und Verteilen von Informationen, die Einsatzplanung (einschließlich des schriftlich verfassten Einsatzplans) und die Dokumentation verantwortlich.

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Abbildung 3: Grundsätzlicher Aufbau der Planning Section

Dazu gehört auch das gesamte Ressourcenmanagement (Personal und Material) nach der Alarmierung einschließlich der Rückführung der Einheiten und das Bereitstellen von technischen Spezialisten (Fachberatern).

Besonderer Wert wird auf den Incident Action Plan (Einsatzplan) gelegt, in dem festgelegt werden muss:

  • Was soll gemacht werden?
  • Wer ist verantwortlich dafür?
  • Wie wird miteinander kommuniziert?
  • Welche Einsatzregeln gelten, wenn jemand verletzt wird?

 

Logistic Section (siehe Abbildung 4)

Die Logistic Section organisiert die Ressourcen und stellt sie der Planning Section zur Verfügung.

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Abbildung 4: Grundsätzlicher Aufbau der Logistics Section

Logistics and Finance arbeiten eng zusammen. Im einzelnen ist die Logistic Section verantwortlich für:

  • Beschaffung und Erhaltung von Personal, Ausstattung und Versorgung
  • Bereitstellen von Kommunikationsplan und -mitteln
  • Verpflegung
  • Instandhaltung
  • Bereitstellen von Transportmitteln
  • Eigenschutz

 

Finance / Administration Section (siehe Abbildung 5)

Diese Section ist für alle finanziellen und Kostenangelegenheiten verantwortlich:

  • Vertragsverhandlungen
  • Nachfolgen der Einsatzdauer von Personal und Material
  • Dokumentation und Begleichung von Forderungen aufgrund Verletzungen und Beschädigungen
  • Führen der Kostenübersicht

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Abbildung 5: Grundsätzlicher Aufbau der Logistics Section

Der Section Chief hat kein finanzielles Vetorecht.

 

Public Information Officer

Der Public Information Officer berät direkt dem Incident Commander bezüglich allem, was mit interner und externer Öffentlichkeitsarbeit sowie Medien zu tun hat. Die Freigabe der Informationen erfolgt durch den Commander.

 

Safety Officer

Der Safety Officer führt die Risikoanalyse durch und berät den Commander in allen sicherheitsrelevanten Fragen. Sie/er arbeitet eng mit der Operations Section zusammen.

 

Liaison Officer

Der Liaison Officer ist Ansprechpartner für alle Organisationen, die nicht im Stab vertreten sind (siehe die Aussagen zum Unified Command). Sie/er ist Vermittler zwischen der eigenen Organisation und allen anderen kooperierenden und unterstützenden Organisationen.

 

Zwischenfazit

Die Grundprinzipen des ICS entspricht denen der FwDV / DV 100, wobei die Aufgabenverteilung eine andere ist (siehe Abbildung 6).

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Abbildung 6: Grober Vergleich zwischen der Aufgabenverteilung des US ICS und der deutschen FwDV / DV 100

Der entscheidende Unterschied zwischen dem US amerikanischen und dem deutschen Führungssystem zeigt sich, wenn mehrere Organisationen zusammenarbeiten.

 

United Command

Um die Einheitlichkeit der Führung bei Einsätzen mehrerer Organisationen zu bewahren, sahen die US Amerikaner zwei Alternativen:

  • Aufteilung des Einsatzes (räumlich oder Aufgaben bezogen), so dass jede Organisation ihr eigens ICS in einem wohldefinierten Zuständigkeits-/Verantwortungsbereich etablieren kann.
  • Bilden eines einheitlichen ICS („Unified Command“) für alle Organisationen.

Trotz der erwartenden politischen Schwierigkeiten bei der Einführung hat man sich aus Kosten- und Effektivitätsgründen für das zweite Modell entschieden.

Jede Organisation kann einen eigenen Incident Commander (entscheidungsbefugte Person) in das Unified Command (UC) entsenden. Dieses UC etabliert gemeinsam abgestimmte Einsatzziele und Strategien. Das bedeutet nicht, dass die einzelnen Incident Commander ihre originären Verantwortungen abgeben.

Wesentliche Aufgabe des UC ist die Entwicklung eines gemeinsamen Einsatzplanes in einem gemeinsamen Planungsprozess.
Die im ICS beschriebenen Funktionen sind auch im UC zu besetzen. Dabei wird das Personal in der Regel aus mehreren Organisationen rekrutiert.

Entscheidend für einen reibungslosen Einsatz ist es, dass man die Personalauswahl einvernehmlich trifft. Dabei ist der „Unified Incident Commander” (Spokesperson) ein Moderator des Gremiums (siehe die Strategic and die Tactical Coordination Group des britischen Systems). Die Leiterin des Operations Sectors wird häufig von der Organisation gestellt, die am meisten betroffen ist. Der Deputy Operation Chief wird dann in der Regel von der Organisation gestellt, die zu einem späteren Zeitpunkt die Hauptlast des Einsatzes tragen muss. Bei einem Wohnungsbrand würde dies bedeuten, dass die Feuerwehr den Chief und die Polizei den Deputy stellt.
An den Unified Command Meetings sollen nur Incident Commanders der einzelnen Organisationen teilnehmen.

Sechs General Guidelines existieren für eine erfolgreiche Verwendung des Unified Command Modells:

  1. Jede beteiligte Person muss das ICS kennen.
  2. Es wird nur ein gemeinsamer Incident Command Post etabliert.
  3. Es ist wesentlich, dass die gemeinsame Einsatzplanung so früh wie möglich beginnt.
  4. Einigung auf einen Operations Section Chief, der weisungsbefugt gegenüber sämtlicher Einheiten bei der Umsetzung des Einsatzplanes ist. Entsprechend sind auch die anderen Section Chief einvernehmlich zu berufen.
  5. Ernennung eines Incident Commanders zur Spokesperson. Dieser macht keine „Unified Command decisions”.
  6. Häufige Teamübungen.

Photo by USACE HQ

Andreas Karsten

Andreas Karsten

Andreas H. Karsten
Ministry of Interior UAE, United Arab Emirates, Strategic Advisor Department of Public Safety and Quick Intervention
Civil Expert for NATO Civil Protection Group

Geboren 1962 in Braunschweig. Ich arbeite, unterrichte und forsche seit einigen Jahren in den Bereichen Disaster Response, Entscheidungsfindung, Stabslehre und Spezielle Einsätze im Bereich des Bevölkerungsschutzes.
Seit meinem 16. Lebensjahr bin ich Mitglied der FF Braunschweig/Rautheim und seit 2004 im THW Bochum.
Nach meinem Studium der theoretischen Kernphysik an der Technischen Universität Carolina Wilhelmina zu Braunschweig absolvierte ich mein Referendariat zum höheren feuerwehrtechnischen Dienst bei der Berliner Feuerwehr. Danach arbeitete ich als Direktionsdienstbeamter bei den Berufsfeuerwehren Stuttgart und Bochum bevor ich 2006 als Lehrbereichsleiter zum BBK an die AKNZ wechselte.
Seit Mai 2014 arbeite ich für das Innenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate.
Andreas Karsten
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